Wir sagen nur „Peng“!

Zusammenfassung und Auswertung der Kampagne “Atomstaat stilllegen! weiträumig, unkontrollierbar und renitent”

Die Kampagne

Ausgangspunkt der Kampagne war die Unzufriedenheit vieler Menschen mit den Aktionen vom Transport von 2010. Einige meinten, die Aktionen waren zu berechenbar und nur auf die Schiene konzentriert, andere bemängelten auch die Art der Organisierung. Dank der autonomen Treckergruppen, die 2010 zahlreiche Straßen im Wendland erfolgreich blockiert hatten, haben wir uns an das bewährte Konzept der dezentralen Aktionen erinnert. Mit der Kampagne haben wir einerseits wieder auf weiträumige, unberechenbare und unkontrollierbare autonome Kleingruppen-Aktionen gesetzt und wollten andererseits entschlossene Aktionen anbieten, denen sich viele Gruppen und einzelne Leute anschließen können sollten.

Das Ziel und die Resultate

Im Hinterland

Ziel war es, im Hinterland Straßen und Transportwege weiträumig für die Polizei unpassierbar zu machen, die Infrastruktur zu sabotieren und überhaupt renitent der Besatzungsmacht im Wendland den Aufenthalt so unangenehm wie möglich zu gestalten.

Im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden mit der Resonanz. So gab es diesmal nicht nur Blockaden südlich der Straßentransportstrecke und das übliche – und diesmal sehr effiziente – Katz- und Mausspiel in der Göhrde, sondern die Blockaden dehnten sich im Laufe der Protesttage auf Straßen, Kreuzungen und Kreisel im gesamten Wendland aus, teils auch auf die Landkreise Uelzen und Lüneburg. Die Räume des Widerstandes wurden prima erweitert und das mit den unterschiedlichsten Mitteln und Aktionsformen: Von ganzen Wohnzimmern auf Dorfstraßen, über Sandverwehungen, quer gestellte Treckern samt Anhängern, umgesägte Bäume, Strohballen und brennende Autoreifen. Im Vorfeld haben wir über Sicherungsmaßnahmen für Blockaden informiert und ihre Wichtigkeit vermittelt, siehe Flyer (http://www.castor2011.org), so dass verantwortungsvoll mit Straßensperrungen umgegangen werden konnte und auch wurde. Entsetzt waren wir, als wir hörten, dass eine Polizeieinheit von AnwohnerInnen beobachtet wurde, wie sie die Absicherungen entfernte, danach verschwand und die Barrikade auf der Straße ungesichert zurück ließ. Zum Glück blieb es nach bisherigen Kenntnisstand nur bei einem Auto mit Blechschaden. Erfreulicherweise gab es einiges neues im Widerstandsrepertoire: drei sogenannte Bombenattrappen (eine mit der Aufschrift „Peng“) sorgten für reichlich Lacher auf unserer Seite und großer Verunsicherung bei den Bullen; die Schiene mit Thermit zum Schmelzen zu bringen war auch nicht schlecht. Und das Gerücht, dass der gesamte digitale Funkverkehr mittels Sabotage von Sonntag bis Ende des Transports zum Schweigen verdonnert wurde, hat uns sehr gefreut. (Hier wären ein paar erklärende Sätze für Nachahmer_innen in entsprechenden Publikationen sehr hilfreich). Übrigens sind die mit Schrauben gespickten Golfbälle niemals als Wurfgeschoss gedacht gewesen (so dramatisierten die Polizeisprecher), sondern sind einfach moderne Krähenfüße zur Absicherung gegen zu schnelle Bullenwagen. Zudem sind sie gut sichtbar und daher bei Aufräumarbeiten im Wald gut zu entdecken.

Bleibt die Frage, was bringen ein quer gestellter Anhänger auf einer Kreisstraße, ein brennender Autoreifen-Stapel auf einer Bundesstraße oder eine Sofa-Party im Kreisel?

Wir sind nach wie vor überzeugt, dass das Konzept richtig ist. Manche Aktionen halten nicht lange, vielleicht eine, im besten Fall drei Stunden, aber immerhin: für diese Zeit war die Besatzungsmacht gezwungen, sich andere Wege zu suchen, brauchte mehr Zeit und war zudem komplett genervt.

Zahlenmäßig wenige Aktionen machen keinen Sinn, blockieren wir aber massenhaft Straßen, werden um so mehr Einheiten beschäftigt. In der Chronologie der Ereignisse sind zahlreiche Aktionen aufgeführt, die sich zumeist von Donnerstag bis zum Montag erstreckten. Vielleicht wäre das Ganze noch effizienter, wenn diese Aktionen koordinierter gelaufen wären, zumal die Zahl der technischen Bulleneinheiten auch nur begrenzt ist. Andererseits haben wir entschieden, über eine grundsätzliche Koordinierung hinaus, den Gruppen selbst zu überlassen, wann, wo und mit welchen Mitteln sie sich an der Kampagne beteiligen. Es wäre schön, wenn wir beim nächsten Mal einfach mehr sind.

An der Schiene

Sehr gefreut hat uns, dass dieses mal viele Aktivistinnen an den Großaktionen „Ralley Monte Göhrde“ und auch an „Ende im Gelände“ beteiligt haben. Mit tausenden Leuten ging es in Klein- oder Großgruppen in den Wald. Hunderte AktivistInnen haben die Göhrde dieses Jahr zu einem wahren Hindernisparcours werden lassen. Meterhohe Barrikaden, Stahlseile und umgesägte Bäume sorgten für ein ordentliches Chaos im Wald. An einigen Stellen an der Schiene wurde auch geschottert. Unser Respekt gilt den sehr entschlossenen Gruppen, die mit Pyros, Böllern, Mollis und ähnlichem der Besatzungsmacht das Fürchten gelernt und anderen so den Weg zur Schiene geebnet haben. Ein abgebrannter Funkmast sorgte für zeitweise Funkstille rund um Leitstade und auch zahlreiche Einsatzwagen kamen für den Rest des Transports nicht mehr zum Einsatz.

Auch die Aktion „Ende im Gelände“am Samstag fanden wir äußerst gelungen. Wieder wurden etliche Barrikaden auf allen Wegen errichtet, kamen entschlossen Pyros und Böller zum Einsatz, die Schiene wurde an mehreren Stellen verbogen. Überhaupt hatten wir den Eindruck, dass viele Gruppen sich schon frühzeitig Gedanken gemacht haben, was im Wendland alles gebraucht werden könnte. Erfreulich, dass sich, wenn sich keine Lücke in der Bullenkette an der Schiene bot, mit geeigneten Mitteln selber eine geschaffen wurde.

Am Sonntagmorgen sah sich der Polizeieinsatzleiter Niehörster dann genötigt in der Tageszeitung „Welt am Sonntag“ über zunehmende Gewaltbereitschaft bei den Protesten zu jammern. Dafür ließen sich „offenbar immer mehr Menschen gewinnen“, so Niehörster. Sehr schmeichelhaft, das war schließlich unser Konzept: verantwortungsvolle Militanz: weiträumig, unkontrollierbar und renitent. Gefreut hat uns noch mehr, dass wir den Zeitgeist getroffen haben und unser Konzept solchen Anklang gefunden hat.

Das Hinterland spricht:

Wir haben das Gefühl, dass das weiträumige Blockade Konzept nicht nur bei autonomen Gruppen Anklang gefunden hat. Das ist an den zahlreichen Aktionen im gesamten Wendland und darüber hinaus zu sehen. Es hat uns gefreut, dass z. B. Küsten oder Waddeweitz, weit ab von der Schiene, immer wieder blockiert wurden. Aber wir sehen die Ergebnisse auch realistisch: die zahlreichen Aktionen sind nicht verwunderlich, denn die Kampagne „Atomstaat stilllegen!“ hat ein altes Konzept aufgegriffen, das sich über die Jahre im Wendland immer weiter radikalisiert hat. Blockaden und Barrikaden vor der eigenen Haustür gehören mittlerweile zum guten Ton jeder lokalen Ortsgruppe. Die Ortsgruppen setzen seit Jahren auf selbstständige und unabhängige eigene Aktionsideen, ohne sich das Label „autonom“ anzuheften. Daher stellen wir fest, ohne die Menschen aus dem Wendland wäre das dezentrale Blockadekonzept nicht so erfolgreich gewesen. Dabei gibt es in unseren Zusammenhang unterschiedliche Einschätzungen und Eindrücke darüber, wie wirksam unsere Aufrufe waren. So sehen einige, dass dem Aufruf aus dem Frühsommer 2011 nur wenige gefolgt sind. Es fand ab dem Sommer kaum eine Aktion im Bundesgebiet statt. Auch einige Zusammenhänge auf den wendländischen Straßen sind vermisst worden. Daraus ergibt sich die Frage, ob bestehende Gruppen keine Lust hatten, sich frühzeitig mit dem Thema zu befassen oder das Konzept als falsch eingeschätzt wurde. Obwohl es sicherlich von den jeweiligen Bedingungen und Voraussetzungen in den Städten und Regionen abhängig ist, müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen und uns fragen wie sehr wir die Kampagne politisch vermitteln konnten und den Charme dieses autonomen Konzeptes beispielsweise auf Infoveranstaltungen als ein Teil des Widerstandskonzeptes bewerben konnten. Das bekannte Dilemma zwischen sichtbar und ansprechbar sein und auf der anderen Seite Angst vor Repression zu haben, weil auf militante Aktionen gesetzt wurde, die die gesetzlichen Grenzen der Legalität eindeutig überschreiten, konnten wir nicht auflösen. Um so positiver, dass es Leute gab, die öffentlich über das Konzept gesprochen haben. „Atomstaat stilllegen“ war im Gespräch und auf einer gemeinsamen Pressekonferenz waren wir neben der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, ausgestrahlt, Widersetzen, Castor schottern! und anderen Zusammenhängen vertreten.

Andere hingegen betrachten das rechtzeitige Veröffentlichen eines ersten Aufrufs, die leider unregelmäßig bestückte Internetseite und die folgenden Flyer und Plakate im Herbst als wichtiges und erfolgreiches Mobilisierungsmoment. Wir haben lange nicht so viele entschlossen durchgeführte militante Aktivitäten im Wendland mitbekommen. Wenn auch nicht speziell das dezentrale Blockadekonzept über die Region hinaus Zustrom hatte, war die Kampagne „Atomstaat stilllegen“ präsent. Wir konnten damit militante Politik präsentieren und waren sichtbar als Zusammenhang, der etwas plant und vor Ort sein wird. Unserer Meinung nach konnten wir so viele Leute mit ähnlichen Vorlieben motivieren, im Wendland aktiv zu sein.

Wir alle finden das Konzept nach wie vor richtig, weil wir uns selber organisieren und Verantwortung übernehmen. Und das Ganze hat ordentlich Spaß gemacht und vielleicht geben die zahlreichen Blockaden für andere Gruppen eine Inspiration und machen Lust auf mehr beim nächsten Mal…

Gemeinsam auf zur Schiene

Bei den Camp-Plena wurde entschieden, die „Ralley Monte Göhrde“ am Freitag und „Ende im Gelände“ am Samstag und den „Sturm auf den Castor“ am Sonntag in den Mittelpunkt zu stellen. Dabei war es vielen wichtig, nicht wie beim Transport 2010 ins offene Messer zu laufen, sondern dieses Mal auf Eigenständigkeit zu beharren. Der Kampagnenaufruf, anschlussfähige Großgruppen-Aktionen anzubieten ist dabei nur zeitweise gut aufgegangen. Zwar sind zu den festgelegten Zeitpunkten zahlreiche Groß- und Kleingruppen in den Wald gezogen und einige hatten sich gut vorbereitet: Der abgefackelte Funkmast in der Göhrde, mehrere verbogene Schienenstränge, demolierte Bullenwannen, unterhöhltes Gleisbett und zahlreiche Gleisschuhe sprechen für sich. Wir haben uns selbstbewusst im Wald bewegt. Aber hatten auch das Gefühl, dass sich nach geplanter und ausgeführter Aktion die Gruppen getrennt und in alle Winde zerstreut haben.

In der Einschätzung bewegen wir uns zwischen einerseits „Super, das war besser als sonst“ und andererseits der Frage warum nicht mehr gelaufen ist und ob es der Kampagne an Zeit und Kraft fehlte. Auch hier fragen wir in die Runde: Woran lag es? Zu viel Skepsis gegenüber der autonomen Organisierung? Zu wenig Zeit? Und haben wir mit unserem Konzept Genoss_innen abgehängt? Wir hoffen auf eine weitere Auswertung mit und von anderen Gruppen und ein gemeinsames überlegen, wie es weitergehen kann. Mit diesem Castortransport ist es nicht getan, das wissen wir auch, aber es wäre doch schön, die eine oder den anderen inspiriert zu haben, das vieles möglich ist, wenn wir uns organisieren.

Das Aufsplittern von Aktivist_innen hatte dann auch zahlreiche Übergriffe von Bullen zur Folge. Wir schätzen die Zahl der Verletzten zwar deutlich weniger ein, als beim Transport 2010, wo es tausende Verletzte allein durch Pfefferspray gegeben hat. Allerdings hörten wir diesmal von Bulleneinheiten, die wie wild Jagd auf Kleingruppen weit ab der Schiene gemacht haben und dabei ist es auch zu etlichen schweren Verletzungen gekommen.

Und noch ein Dank an die französischen Genoss_innen:

Wir waren beeindruckt von den Bildern, die gut ausgerüstete und organisierte Aktivistinnen renitent im Tränengasnebel zeigten und waren begeistert, dass trotz der militärischen Übermacht geschottert, Gleise verbogen, Polizeifahrzeuge und Signalanlagen unbrauchbar gemacht wurden. Auch auf der weiteren Fahrt wurde der Transport immer wieder kurz aufgehalten. Wir hoffen, dass wir auch in Zukunft gemeinsam mit unseren französischen GenossInnen einen breiten Widerstand auf die Beine stellen, weiter voneinander lernen und so der international agierenden Atommafia unseren internationalen Widerstand entgegen setzen können.

Wir sehen diesen Text als ersten Schritt einer Auswertung des Castortransportes 2011. Wir sind uns nicht in allen Fragen einig und es schließen sich Fragen an. Für uns ist die Kampagne Teil eines Prozesses. Es wird nicht das einzige Papier aus dem Zusammenhang „Atomstaat stilllegen“ bleiben. Für die weitere Auseinandersetzung, auch um die Schwächen und die Kritik, hoffen wir auf eure Beteiligung.

mit solidarischen Grüßen

„Atomstaat stilllegen“

weiträumig – unkontrollierbar – renitent

www.castor2011.org

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Chronologie der Ereignisse

Atomstaat stilllegen! Castor 2011 – weiträumig/unkontrollierbar/renitent

Wir haben hier die Aktionen dokumentiert, die in das autonome Konzept von „Atomstaat stilllegen!“ passen, die uns gefallen oder die wir selber gemacht haben. Unsere Quellen sind Castor-Ticker, Radio Freies Wendland, taz und ndr ticker, Feuerwehrberichte und Zeitungen und auch persönliche Erzählungen. Wir entschuldigen, wenn nicht alles auftaucht. Wir heißen die willkommen, die sich nicht bewusst sind, dass sie wunderbar in das Konzept passen.

Solidarische Grüße an alle AktivistInnen die sich quergestellt, widersetzt, angekettet, blockiert, Demos organisiert, Voküs betrieben, Brötchen geschmiert, Kaffee und Tee ausgeschenkt, am Infotelefon, den Ticker bestückt, Radio gemacht… haben.

Berlin 3. November 2011 - Farbe und Steine gegen Vattenfall

“Angesichts der durchsichtigen Versuche, der vermeintlichen Energiewende einen ökologischen Anstrich zu geben, haben wir uns in der vergangenen Nacht konstruktiv in die Debatte eingemischt und den Energieriesen Vattenfall ganz im Zeitgeist grün eingefärbt. Wir verstehen diese Aktion als direkte Aufforderung an den Konzern, endlich und tatsächlich aus der Atomenergie auszusteigen.[…] Atomstaat stilllegen. Weiträumig, Unkontrollierbar, Renitent!“ Quelle: https://directactionde.ucrony.net/node/1485

Wuppertal 11. November 2011 - Siemens-Transporter abgefackelt

“Wir haben in der Nacht vom 10.11 auf den 11.11 einen Lieferwagen der Siemens AG in der Rudolfstraße mittels einfacher Grillbrickets abgefackelt. Siemens behauptet, sie seien aus dem Geschäft mit der Atomkraft ausgestiegen. De Facto produzieren sie weiter fleißig Pumpen und anderes Material, was für AKW und für Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen laufen, genutzt wird. […] Wir sehen die Aktion als Teil der Kampagnen “Atomstaat stillegen” und “War starts here”. https://directactionde.ucrony.net/node/1507

Bochum 16. November 2011 – Farbe gegen RWE-Kundenzentrum

“In der Nacht zu Mittwoch, dem 16. November 2011 haben wir das RWE-Kundenzentrum in der Wielandstraße in Bochum-Zentrum mit Farbe markiert. RWE ist einer der größten Atomkraftwerksbetreiber in Deutschland und profitiert massiv von der lebensgefährlichen Atomtechnologie, die auch nach dem atomarem Super-GAU in Fukushima weltweit von dem Konzern vorangetrieben wird. Im Ausland plant RWE nach wie vor neue Atomkraftwerke zu bauen, in Europa beispielsweise in Großbritannien und den Niederlanden.[...] Atomstaat stilllegen !“ Quelle: http://linksunten.indymedia.org/de/node/50298

Salzwedel 18. November 2011 – brennende Barrikade in der Einfahrt der Bullenwache

Salzwedel 20. November 2011

In der Nacht zu Sonntag wurde die e.on Station direkt neben dem Bahnhof in Salzwedel großflächig mit Farbe eingedeckt

Hamburg/Kiel 21. November 2011 – Sabotage an Bahnstrecke

“Am Sonntag den 21.11.2011 wurde die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Kiel sabotiert. Durch einen Kurzschluß in den Oberleitungen der ICE-Strecke wurde der Verkehr lahmgelegt.

Dies war ein gezielter Angriff gegen das Unternehmen Deutsche Bahn! Drei Tage vor dem Start des Castor-Transport aus der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague in das Zwischenlager nach Gorleben, war das unser Startschuß für den militanten Widerstand gegen den Atomtransport. […] Atomstaat stilllegen!” Quelle: http://linksunten.indymedia.org/de/node/50676

Ebenfalls im Vorfeld: Lüchow – Farbe gegen die Allianz- und Commerzbankcenter mit Stencils zu Sebastian +++ Bergen – DB-Reisebus abgefackelt und Stencil zu Sebastian +++ Lüchow – Todestag von Sebastian, Gegensprechanlage und Briefkasten vom CDU-Büro angezündet +++ Bei Stendal – an der ICE-Strecke explodiert ein Schienencracker (Notsignal für Gleisarbeiten: kleine Sprengladung die auf der Schiene angebracht wird) unter einem Zug, es ist für eine Stunde kein Verkehr. Im Nahbereich ist ein Streifenwagen durch Krähenfüße beschädigt +++ Zwischen Splietau und Gusborn am Castorstreckenaktionstag – brennende Reifen und „Atomstaat stilllegen“-Logo auf der Castorstrecke +++ am Verladekran – im Gleisbett wird ein Paket mit Sand gefunden und „entschärft“ +++ Kaserne Lüchow am Unruhetag – ein Bullenwagen wird tiefergelegt

Mittwoch, 23 November 2011

Im Protestcamp bei Valognes haben sich über 1000 Leute versammelt. Rund 600 Leute stürmen trotz GS-Gas und Blendschockgranaten zur Schiene +++ Schienenstrang verbogen +++ ein Trafohäuschen abgefackelt +++ Versorgungsfahrzeug der Polizei abgefackelt +++

MI 12:39 Quickborn (auf der nördlichen Straßenroute) wird gerade abgeriegelt. Es heißt, ein Sprengstoffspürhund habe angeschlagen. Später wird bekannt, dass ein Paket mit der Aufschrift „PENG“ gefunden wurde

MI ab 17:18 In Rouen und Caen gibt es Demonstrationen und der Castortransport wurde mehrfach aufgehalten

MI Polizeimeldung – Bereits weit vor Eintreffen des Castor-Transportzuges legen Unbekannte im Bereich Harlingen und auf der L 231 eine Vielzahl von Krähenfüßen aus +++ in Hitzacker werden Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beschossen

Donnerstag, 24 November 2011

DO 0:54 – Die Feuerwehr Lüchow wird zu einem Feuer im Küstener Kreisel (B493/B248) gerufen. Dort brennen 3 alte Sofas.

DO 4:30 VellmarBei Kassel ist ein Kabelschacht der Bahn in Brand gesetzt worden. Personen kamen wegen des Brandanschlags nicht zu Schaden. Es kam zu Ausfällen und Verspätungen, weil die Signalanlage wegen des Feuers nicht mehr funktionierte. (dapd-hes)

DO 19:00 Metzingen – Laternenumzug und Landmaschinenschau. Nach einer Kundgebung blockieren 800 Leute die Bundesstraße B216. Im Gedränge fährt eine Polizei-Wanne in Krähenfüße. Bei der anschließenden Räumung durch die Polizei fliegen Steine, Farbbeutel, Eier und Flaschen auf den Wasserwerfer und Einsatzkräfte, Rauchbomben und Böller werden gezündet

DO 20:47 Abseits von Metzingen, auf einem verlassenen Feldweg, ist Stau. Autofahrer versuchen hier in der Pampa die Massen in Metzingen zu umfahren. Doch es geht nur schleppend voran. Denn auf dem Feldweg proben zwei Jungs ein besonderes Widerstandsgefährt: Auf zwei kleinen Rasenmähertreckern tuckern sie durch die Gegend und niemand kommt an ihnen vorbei.

Freitag 25. November 2011

Fr 11:00 Uhr bis 16:00 Uhr Rallye Monte Göhrde – Ca. 500 Leute starten aus Metzingen in den Wald +++ Dort werden bis zur Schiene, zahlreiche Barrikaden aus Holzstämmen, Ästen und sonstigem Zeugs errichtet +++ Katz und Mausspiel an der Schiene +++ Nähe Leitstade wird ein Funkmast der Bullen mit Molotowcocktails und Pyrotechnik in Brand gesetzt +++ Stahlseile über Waldwege gespannt +++ Krähenfüße und Nagelbretter ausgelegt, Barrikaden angezündet +++ In Leitstade und Tollendorf wurden Bundes- und Polizei-Fahrzeuge von Unbekannten angezündet +++ In der Nähe von Grünhagen kam es zu Schotterungen, ein Bundespolizeiauto beschädigt und fünf weitere in der Nähe parkende +++ Der Waldweg von der X-Hütte bis nach Tollendorf ist mit unzähligen Barrikaden versperrt, teilweise sind sie über einen Meter hoch +++ An der X-Hütte setzt die Polizei einen Wasserwerfer ein, AktivistInnen antworten mit Böllern +++ Auf dem Rückweg zum Camp werden erneut Straßenbarrikaden mit Baumstämmen errichtet

FR 13:30 – Aufgrund eines Funkausfalls (das hat wohl mit dem Angriff auf den Funkmast zu tun) dirigieren die Polizeieinheiten ihre Einsatzkräfte in der Göhrde mittels des Lautsprechers vom Wasserwerfer aus

FR 13:35 – An der Bahnstrecke südlich von Dumstorf wird geschottert

FR 18:19 – Ein Schlagzeuger hat in der Harlinger Unterführung laut Schlagzeug gespielt, eine Polizei-Hundertschaft ist geflüchtet

FR 18:54 – In Middefeitz hat sich eine Mahnwache gebildet. Um 21:03 meldet der Ticker: Anderthalb Stunden lagen in Middefeitz zwei Treckeranhänger umgedreht auf der Straße. Nun sind Räumpanzer der Polizei vor Ort

FR 20:27 – In Küsten gibt es seit dem späten Nachmittag eine Blockade aus Menschen und zwei Treckern. Am Abend sind immer noch 80 Menschen vor Ort, die Blockade der Straße ist von der Polizei aber beendet worden

FR 23:00 – In Metzingen fährt die Polizei in der Dorfstraße Wasserwerfer auf und versucht das Camp zu umstellten. Der Wasserwerfer, Pfefferspray und Knüppel kommen zum Einsatz. Das Camp wird von einem Traktoranhänger und vielen Autonomen mit Plastikplanen gehalten. Später zieht sich die Polizei zurück, wobei die beiden rückwärts fahrenden Wasserwerfer von den erhöhten Seitenhängen der Bundesstraße mit Steinen eingedeckt werden. Ein Bauer verteidigt mit seinem Trecker seinen Acker gegen die Einsätzkräfte, indem er immer wieder auf die Polizeireihen und deren Fahrzeuge zu fährt

Samstag, 26. November 2011

SA 4:30 – Karstädt/Prignitz„Auf die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg ist am Samstagmorgen von unbekannten Tätern ein Brandanschlag verübt worden. An der Schnellfahrstrecke bei Karstädt in der Prignitz in Brandenburg sei am Morgen gegen 4.30 Uhr Brandstiftung an einem Kabelkanal entdeckt worden. Quelle: https://directactionde.ucrony.net/node/1514; Mehr dazu in der Zeck 166 (Januar/Februar 2012)

SA 09:55 – Aus dem Camp Dahlem sind 300 Menschen in Richtung der Gleise aufgebrochen. Auch aus Metzingen sind viele Castorgegner_innen auf dem Weg zu den Schienen

SA 11:11 – Pussade – Rund um den Bahnkilometer 188 haben sich etwa 80 Menschen mit Böllern, Pyrotechnik und Steinen den Weg auf die Gleise frei gemacht. Es kommt zu Schotterungen, das Gleis wird mehrfach verbogen, ein Polizei-Generator, Lichtmasten und Kabel der Polizei werden abgefackelt. Eine verbogene Stelle hält bis zur Räumung der Widersetzen Blockade am darauf folgenden Tag

SA 12.50 – Grünhagen - Überall wurden Barrikaden errichtet, gegen die Polizeikräfte sind Folien über die Waldwege gespannt

SA 13:09 – Nahe Leitstade und Harlingen ist es zu massiven Beschädigungen der Schiene gekommen

SA 13.15 – Grünhagen und Leitstade – Im unwegsamen Gelände haben hunderte AktivistInnen die Schienen erreicht. Bei einem Zusammenstoß mit der Polizei flogen Böller, Stöcke und Steine

SA 14.31 – Bahnhof Göhrde und Dannenberg, Am Werder – Brennende Müllcontainer

SA 18:00 – Harlingen – Im Laufe des Abends gesellen sich zahlreiche Gleis- oder Bremsschuhe zu den AktivistInnen der Widersetzen Blockade

SA 19:10 – Polizeimeldung – Demonstranten haben bislang insgesamt 16 Polizeiautos beschädigt, unter anderem sieben durch Steinwürfe, vier durch Krähenfüße an den Reifen und zwei durch Brandsätze wie Molotowcocktails

SA Abend – Auf der B 191 zwischen Oldenstedt und Pieperhöfen im Landkreis Uelzen befinden sich brennende Strohballen, Autoreifen und Unterholz auf der Straße +++ Straße zwischen Pudripp und Bellahn von Autos und Steinhaufen blockiert +++ in Breustian ebenfalls LKW auf der Straße +++ in Göhrde Baum und Sand behindert Verkehr +++ Stau in Volzendorf +++ in Köhlen Brückenschaden +++ in Steine Sandverwehungen +++ in Langenhorst Sandverwehungen +++ in Schmarsau/Lemgow aufgrund Kartoffelkisten kein Durchkommen +++ zwischen Platenlaase und Beutow kein Verkehr durch Anhänger +++ in Küsten Kettensägenarbeiten, brennende Barrikaden und Krähenfüße +++ im Plaater Kreisel sind brennende Reifen +++ Der Waddeweitzer Kreisel ist dicht. Radiomeldung: Da es im Landkreis derzeit zu zahlreichen Behinderungen auf den Straßen kommt, bitten wir alle AutofahrerInnen äußerst vorsichtig zu fahren!

SA irgendwann und irgendwo auf der Schiene – Durch einen entflammten Thermit- Behälter (Aluminiumpulver und Metalloxid) wird die Schiene entflammt und geschmolzen und ein Metallobjekt auf die Schiene geschweißt… hier wäre es spannend, mehr zu erfahren…

Sonntag, 27. November 2011

SO – Zwischen Salderatzen und Küsten B 439 blockiert schweres landwirtschaftliches Gerät (drei sogenannte Grupper) die Bundesstraße. Die Polizei versucht mit einem Unimog das Gerät wegzuziehen. Direkt daneben hinter einem Zaun stehen rund 30 Einheimische auf Privatgrund und kommentieren die Maßnahme mit Gelächter. Die Polizei erklärt, auf Schäden an den Geräten werde keine Rücksicht genommen. Auf Nachfrage, ob die weggeräumten Baumstämme einige Meter weiter Richtung Küsten auch zu ihrer Blockade gehört hätten, sagt ein Mann verschmitzt: “Nö, das können wir besser.” +++ Der Waddeweitzer Kreisel ist mal wieder dicht, für eine Stunde +++ Bisher ist es der Polizei nicht gelungen, die Straße in Köhlen zu räumen +++ In Penkefitz wird beim umgefallenen Hänger Kaffee und Kuchen serviert +++ bei Wendisch Evern ist eine Sitzblockade +++ mehrere brennende Barrikaden im Bereich Govelin/Tollendorf; an einer Stelle greift das Feuer durch starken Wind auf eine Kartoffelmiete über, der Schaden wird von der Versicherung übernommen +++ bei Platenlaase Sandverwehungen mit Traktoren +++ Sofas auf der Gedelitzer Dorfstraße +++ zwischen Seerau und Zadrau, Dangensdorf und Lichtenberg gesicherte Barrikaden aus brennenden Reifen +++ vor der Wolterdorfer Polizeikaserne (B 493) ebenfalls brennende Reifen und ein Zivi-Auto fährt in die ausgelegten Krähenfüße +++ am Waddeweitzer Kreisel sind Maschinenverwehungen +++ Ortsausgang Metzingen brennende Reifen und Strohballen +++ bei Müggenburg Krähenfüße machen die Straße für eine Viertelstunde dicht +++ Verschiedenes auf der Straße zwischen Lüchow und Gartow +++ Beton in Liepe

SO – Laut einem Anrufer bei Radio “Freies Wendland” soll der Streetzer Kreisel gerade von der Polizei völlig unbewacht sein. Damit ist dieser neuralgische Punkt erstmals in diesem Jahr nicht in den Händen der Polizei, die den Kreisel in den letzten Nächten sogar ausleuchten ließ. Der Anrufer ließ den Bauern ausrichten, dass wenn noch jemand eine Parkfläche für diverse landwirtschaftliche Maschinen suche, ihn jetzt dort finden könne

SO 10:27 – In Pisselberg stand ein Sekt-Karton mit blinkenden Lämpchen. Die Polizei hatte eine Bombe vermutet und Pisselberg abgeriegelt

SO – Bei Grünhagen begibt sich ein neuer Schwung von etwa 400 Menschen in Richtung der Schiene +++ bei Eimstorf ordentlich Schotter weg +++ zwischen Marleben und Liepe ein weiterer Betonklotz +++ ein Gerücht – Neodym-Magnete auf den Gleisen bei Aljarn… auch dazu wüssten wir gerne mehr…

SO Nachmittag Gerücht - Der Digitalfunk der Polizei scheint durch Sabotage weiträumig ausgefallen zu sein. Das erklärt auch, dass der Mobile-Musik-Kampf-Wagen, angemeldeter Lauti für die Kundgebung in Laase, an jeder einzelner Bullensperre aufgehalten wird und erst nach Stunden zur Kundgebung gelangt. Das Gerücht besagt, dass der Digitalfunk, bis der Castor-Transport im Zwischenlager war, ausgefallen ist. Die Einsatzkoordination gestaltete sich chaotisch, da die Polizei-Fahrzeuge teilweise keine analogen Funkgeräte mehr hatten. Wir wollen mehr dazu erfahren…

SO 15:05 – Mehrere militante Castor-Gegner_innen haben am Sonntag in einem Waldstück in Metzingen sowohl Polizisten als auch Journalisten mit Zwillen beschossen

Montag, 28. November 2011

MO – Derzeit der bestbewachteste Ort der Republik: der Streetzer Kreisel

MO – Aufgrund einer Landmaschinenausstellung ist in Dünsche die Straße nicht befahrbar, Streckenauskünfte gibt es an der Mahnwache Siemen +++ zwischen Grabow und Platenlaase blockieren Strohballen die Straße +++ in Pudripp 20 Trecker +++ in Sallahn Landmaschinen auf der Straße +++ zwischen Prezelle und Lomitz eine Barrikade +++ zwischen Gusborn und Siemen und in Schaafhausen viele Trecker +++ Sandverwehungen zwischen Siemen und Dünsche +++ zwischen Metzingen und Göhrde ein riesiger brennender Autoreifenstapel +++ in Groß Gußborn ein durch Aktivist_innen und Trecker gekesselter Räumpanzer und Schmierseife vor dem Castorkonvoi

MO – Schaafhausen – Beim Kurzschließen von Treckern tappen die Polizeieinheiten in eine Bauernfalle. Statt der Zündung springt die Hydraulik eines Kippanhängers an. Kubikmeter von Mist kippen auf die Fahrbahn. Den Mist müssen die Polizeikräfte selber weg schaufeln

MO – Auf kleinen Straßen, Waldwegen und Feldern zwischen den Dörfern Dünsche, Siemen, Zadrau und Groß Gusborn liefern sich CastorgegnerInnen und Polizei Verfolgungsjagden. Wilder Westen im Wendland. Trecker stehen quer, Polizeifahrzeuge blockieren ebenfalls die Straßen in der nicht vom Demo-Verbot betroffenen Region. Es kommt auch zu Sitzblockaden.

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Aufruf II

Ende November soll wieder ein Atomtransport ins Wendland stattfinden. Der diesjährige Transport aus der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague soll dann Gorleben erreichen. Bereits seit September befinden sich hunderte Polizisten im Wendland, um ihren alljährlichen Großeinsatz vorzubereiten.Denn eines ist in den letzten Jahren nur allzu deutlich geworden: ohne den Einsatz von über 15.000 Sicherheitskräften – ausgestattet mit Räumpanzern, Wasserwerfen und allerleri anderen Waffen – ist ein Tansport der Castorbehälter in das Zwischenlager schlicht nicht umsetzbar. Trotz dieser riesigen Besatzungsmacht verlief die Fahrt des Atomzuges von Frankreich nach Deutschland in den vergangenen Jahren nicht störungsfrei: Hakenkrallen und Feuer sabotierten den Zugverkehr, an vielen Bahnhöfen entlang der Strecke versammelten sich zehntausende Menschen zu Blockaden und Kundgebungen oder ketteten sich an die Gleise. Autonome Treckergruppen blockierten den Nachschub der Bullen und sabotierten so effektiv deren Infrastruktur.

Es gibt auch dieses Jahr keinen Grund, die Füße ruhig zu halten. Nach den Ereignissen in Fukushima im Februar sah sich die Deutsche Regierung gezwungen, ihrer potenziellen Wähler_Innenschaft einen Atomaustieg vorzugaukeln, wie es bereits vor wenigen Jahren rot-grün vorgemacht hatte. Mit der Abschaltung von acht Kraftwerken und dem Versprechen eines Atomausstiegs bis 2022 sollen alle Kritiker ruhig gestellt werden. Doch wir trauen keiner Regierung, wir lassen uns nicht befrieden und erst recht nicht mit faulen Kompromissen abspeisen. Es kann für uns keine Alternative zur sofortigen Stilllegung aller Atomkraftwerke, zum sofortigen Produktionsstop von Brennelementen, zur sofortigen Beendigung des weltweiten Uranabbaus geben. Der scheinbare Ausstieg bedeutet nichts als eine Sicherheit für die Betreiber, für mindestens elf weitere Jahre mit ihrer menschenverachtenden Technologie Gewinne zu erziehlen. So werden Tag für Tag weitere Schäden an Mensch und Natur in Kauf genommen. Mit ihrer Energiewende werden wir uns nie abfinden, denn in der kapitalistischen Gesellschaft werden nie die Bedürfnisse der Menschen oder die Umweltverträglichkeit entscheidende Rollen spielen. Das ausschlaggebene Moment bleibt immer die Höhe des Gewinns, ganz egal wie dick die grüne Farbe auf den Werbetafeln aufgetragen ist. Wir werden keinen Frieden finden mit diesem ausbeuterischem System, in dem wir uns in allen Lebenslagen den “Mechanismen des Marktes” unterordnen sollen, anstatt in einer solidarischen Gemeinschaft verantwortungsvoll miteinander zu leben.

Es ist uns wichtig im November im Wendland genau die Kräfte ins Visier zu nehmen, die alltäglich zum Bestehen dieser Herrschaftsverhältnisse beitragen. Die Fahrzeugkonvois der Polizei gehören blockiert, ihr Kriegsgerät sabotiert, ihre Suppe versalzen und ihre Toiletten, die sollen sie ewig suchen. Die Ruhe in den Kasernen soll nicht lange wären – Pause muss ein Frendwort für die Handlanger_Innen der Atomindustrie werden. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten den Ordnungshüter_Innen ins Handwerk zu pfuschen. Ebenso wie ein Castortransport ins Wendland ohne die Staatsmacht nicht durchzuführen wäre, ist auch der kapitalistische Alltag ohne dieselbe Bullen unvorstellbar.

Vor Ort heißt ein solches Konzept – eingebettet in den gesamten Widerstand – selbstorganisiert und unberechenbar zu agieren. Die Möglichkeiten sind vielfältig, die Räume des Widerstands groß. Militanz ist dabei kein Selbstzweck, sondern eine Widerstandsform von vielen – allerdings eine, die eine große Verantwortlichkeit braucht. Das Ziel ist, einen möglichst hohen, gezielten Sachschaden zu schaffen und damit gemeinsam den Transport so schwierig wie möglich zu machen. Damit wir in kleinen Gruppen erfolgreich agieren können, gibt es eine Karte, auf der die Infrastruktur verzeichnet ist, die der Staat und ihre Helfer_Innen brauchen, um den Castortransport bis ins Atommülllager zu prügeln (Download unter: www.castor2011.org). Welche Strecken fahren die Nachschubkollonnen? Wo stehen wichtige Sendemasten? Wo sind die Kasernen, in denen sich die Bullen ausruhen? Machen wir ihnen den Einsatz zur Hölle!

Unberechenbar und dezentral agieren ist gegenüber dem konzentrierten Bullenaufgebot ein enormer Vorteil. Aber es birgt Risiken. Auch deshalb empfehlen wir allen, schaut euch die Wege, den Rückzug und die Umgebung genau und möglichst im Vorfeld an. Wir wollen damit das Gesamtkonzept des Widerstandes im Wendland wieder mal mit eigenen autonomen Aktionen erweitern. Dabei geht es uns nicht darum, von der Schiene oder von der Straße weg zu mobilisieren. Auch hier sind entschlossene Aktionen gefragt und werden von autonomer Seite her geplant und unterstützt.

Aufruf Seite 1

Aufruf Seite 1

Aufruf Seite 2

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Aufruf

Im November soll es nach den Plänen der Bundesregierung einen weiteren Castortransport ins Wendland geben. Es wird der letzte Transport aus der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague sein. In den vergangenen Jahren verlief die Fahrt des Atomzuges nicht störungsfrei: Hakenkrallen und Feuer sabotierten den Zugverkehr, an vielen Bahnhöfen entlang der Strecke versammelten sich zehntausende Menschen zu Blockaden und Kundgebungen oder ketteten sich an die Gleise. Dieser erfolgreiche, internationale Widerstand war möglich, obwohl der Zug regelmäßig von einer ganzen Armada von bewaffneten und gepanzerten Polizist_innen samt technischer Ausrüstung begleitet wird.

Spätestens ab der Grenze ins Wendland benehmen sich die Bullen wie eine Besatzungsarmee. Das Wendland ist jedes Jahr vollgestopft mit Cops und ihren PKW‘s, -LKW‘s, Räumpanzern, Wasserwerfern und anderem uniformierten Gerümpel. Den Leuten im Wendland geht das seit Jahren auf den Keks – ständige Kontrollen und Überwachung die schon zwei Monate vor dem eigentlichen Transport offensichtlich zunehmen. Nicht weiter verwunderlich die Parole, die eine Menge Plakate seit Jahren schmückt: „Besatzer_innen raus“. Genau daran wollen wir in diesem Jahr anknüpfen. 2010 haben bereits die Bauern und Bäuer_innen durch massive Straßenblockaden im Hinterland sehr erfolgreich den Raum des Widerstandes erweitert. Ein autonomes Konzept, das auch zu früheren Zeiten von einigen praktiziert wurde. Die autonomen Treckergruppen haben es im vergangenen Jahr wieder mal deutlich gemacht: Besatzer_innen sind angreifbar. Sie sind abhängig davon, dass sie mit Essen und Getränken versorgt werden – denn in den Voküs des Widerstandes bekommen sie nichts. Sie sind angewiesen auf Dixie-Klos an der Strecke – denn wer will schon Besatzer_innen ins Haus und aufs Klo lassen? Und sie sind angewiesen auf Nachschub, wenn sie nach zehn oder mehr Stundenschichten mal eine Pause brauchen. Auch Besatzer_innen werden irgendwann müde vom stundenlangen Rumstehen, Blockierer_innen wegtragen und verprügeln, kurz gesagt: erschöpft davon, den Handlangerjob für die Atomindustrie und ihre staatlichen Unterstützer_innen zu machen.

Die Räume des Widerstandes erweitern

Die Räume des Widerstandes erweitern heißt für uns, diesen Nachschub zu blockieren und zu sabotieren. Das kann schon im Vorfeld beginnen – denn auch aus Deiner Stadt kommen Bullen ins Wendland. Vor Ort heißt ein solches Konzept – eingebettet in den gesamten Widerstand – selbstorganisiert und unberechenbar zu agieren. Aufhalten lassen sich Wagenkolonnen beispielsweise durch Materialblockaden und ohne Luft in den Reifen fährt es sich auch ganz schlecht. Und verlässt das Essen die Kantine nicht oder wird umverteilt, gibt es keine Versorgung. Die Möglichkeiten sind vielfältig, die Räume des Widerstandes groß. Militanz ist dabei kein Selbstzweck, sondern eine Widerstandsform von vielen – allerdings eine, die besonders hohe Verantwortlichkeit braucht. Das Ziel ist, einen möglichst hohen, gezielten Sachschaden zu schaffen, ohne unbeteiligte zu gefährden, um so Freiräume für viele unterschiedliche Widerstandsformen zu schaffen und damit gemeinsam den Transport so schwierig wie möglich zu machen.

Deshalb rufen Autonome Gruppen in diesem Jahr zu „Sommerurlaub im Wendland“ auf. Die Autonome Kampagne „Atomstaat stilllegen! Castor 2011 – weiträumig unkontrollierbar renitent“ rät Bezugsgruppen, sich rechzeitig, sorgfältig und bei schönstem Sonnenschein vor Ort kundig zu machen. Egal, ob ihr das erste Mal Widerstand gegen den Castortransport leistet oder bereits seit Jahren mit eurer Bezugsgruppe dabei seid. Wichtig ist, wir wollen unsere beste Seite einbringen: selbstorganisiert, unberechenbar und unversöhnlich. Damit wir in kleinen Gruppen erfolgreich agieren können, gibt es eine Karte, auf der die Infrastruktur verzeichnet ist, die der Staat und ihre Helfer_innen brauchen, um den Castortransport bis ins Atommülllager zu prügeln. Welche Strecke fahren die Nachschubkolonnen? Wie kommt das Essen an die Strecke? Wo sind die Kasernen, in denen sich die Bullen ausruhen? Wo stehen ihre Klos? Machen wir ihnen den Einsatz zur Hölle. (Extra Kasten: An dieser Stelle weisen wir darauf hin, dass Polizist_innen den Einsatz durchaus verweigern oder sich krankschreiben lassen können. Einst hat die Gewerkschaft der Polizei auf diese Möglichkeiten hingewiesen, schon allein wegen der radioaktiven Strahlenbelastung.)

Aber zurück zum Konzept, mit dem wir das Rad nicht neu erfinden, aber wieder ins Rollen bringen. Ausgestattet mit besagter Karte geht’s los. Am besten ist, ihr plant noch während der warmen Jahreszeit ein gemeinsames Wochenende. Die Erfahrungen vieler Autonomer und Anarchist_innen der vergangenen Jahre haben gezeigt: Vorbereitung tut Not – und ist auch sinnvoll. Ortkenntnisse sind wichtig und noch besser ist es, Vorbereitungen sind schon getroffen. Ansonsten ist die gemeine autonome Kleingruppe während der Aktionstage immer auf die Ideen anderer angewiesen und die passen vielleicht nicht zu den eigenen Aktionsvorstellungen. Und wenn es keine Angebote gibt, dann stehen eh nur alle stundenlang an der wärmenden Feuertonne rum, debatieren was getan werden könnte und oftmals tut sich dann nicht viel. Also kommt in die Puschen!

Unberechenbar und dezentral zu agieren ist gegenüber dem konzentrierten Bullenaufgebot ein enormer Vorteil. Aber es birgt Risiken. Auch deshalb empfehlen wir allen, schaut euch die Wege, den Rückzug und die Umgebung genau und möglichst im Vorfeld an. Vieles ist möglich, erwischen lassen ist ärgerlich. Wir vertrauen dabei darauf, dass Selbstorganisierung tatsächlich eine unserer Stärken ist. Wir wollen damit das Gesamtkonzept des Widerstandes im Wendland wieder mal mit eigenen autonomen Aktionen erweitern. Dabei geht es uns nicht darum, von der Schiene oder der Straße weg zu mobilisieren. Auch hier sind entschlossene Aktionen gefragt und werden von autonomer Seite her geplant und unterstützt.

Nicht alle Bezugsgruppen werden die Möglichkeit oder die Muße haben, sich bereits im Sommer vorzubereiten, das wissen wir. Deshalb soll das Konzept auch für die Kurzentschlossenen anschlussfähig sein, auch hierbei soll euch die Karte unterstützen. Materialblockaden sind auch spontan möglich. Um sich mit den Spielregeln vertraut zu machen und sich warm zu laufen, gibt es seit Jahren auch die Ralley Monte Göhrde. Ein „wir erkunden die Waldwege an der Schienentransport-Strecke“ Hindernis-Parcours, der meist am Freitag der Aktionstage stattfindet. Teilnehmen kann jedermensch, ob mit Trecker oder PKW, per Motorrad oder Fahrrad, zu Pferd oder auch zu Fuss. Hier können wir mit Mut zur Lücke den Bullen schon mal gehörig auf die Nerven gehen.

Atomstaat stilllegen – über den Transport hinaus

Auch wenn die Atomlobby durch den Super-GAU des AKW in Fukushima auf dem Rückzug scheint, die momentanen Phrasen des „Innehaltens“ und „Nachdenkens“ erinnern sehr an die Versprechungen vor 25 Jahren, nach dem Super-GAU in Tschernobyl, die gebetsmühlenartig so lange heruntergebetet wurden, bis die meisten Gemüter befriedet waren. Schon wenige Wochen – und noch inmitten des Super-GAU in Fukushima – schleichen sich die ewig gleichen Versuche der Atomkonzerne, den Widerstand als „emotional“ zu diskreditieren, wieder ein. Auch das ist ein alter Hut. Die vier Atomkonzerne in Deutschland und die Zulieferbetriebe wollen ihre Gelddruckmaschinen weiter laufen lassen und sie wollen weiter das Monopol auf die Stromversorgung haben. Alles soll so weiter gehen, wie seit Jahren mit den jeweiligen Regierungen ausgehandelt. Ein Deal zugunsten der Konzerne RWE, Vattenfall, EnBW und Eon – und das ohne jegliche Verantwortung oder Bedenken. Konzernvertretern Großmann & Co. ist nicht allein die Gefährdung von Menschenleben egal, auch strategisch wollen sie die Zeit nutzen, um ihre täglichen Millionengewinne auf andere Art und Weise zu sichern. Dezentrale Energieversorgung ist den Stromkonzernen der wirkliche Horror, denn damit verlieren sie Macht und Gewinne. Deshalb rufen wir auf, nicht nur den Castortransport im Blick zu haben, sondern auch im Vorfeld diesen Teil der kapitalistischen Warenströme zu sabotieren und damit unsere Unversöhnlichkeit mit dem System deutlich zu machen.

Das gilt auch für das momentan diskutierte Konzept der Energiewende. Der bürgerlich-grüne Staat wird darauf dringen, dass alles bleibt wie es ist – nur ökologischer. Es ist notwendig in diese Debatte einzugreifen und deutlich zu machen, dass das grundsätzliche Verhältnis von Ausbeutung Mensch und Natur begründet mit stetigem Wachstum das eigentliche Problem ist. Dieses ist kein Selbstzweck, es geht nicht um Wohlstand für alle, sondern um den Zugriff und die Ausbeutung von Ressourcen durch wenige. Und das nicht nur bei der Energieversorgung. Wir wollen dieses Verhältnis grundsätzlich angreifen. Überall. Und wir haben keine Angst, dass das Licht ausgeht.

Zugleich werden wir uns darauf einstellen müssen, wie nach dem sogenannten rot-grünen Atomkompromiss, dass diejenigen, die jetzt von parlamentarischer Seite aus versuchen, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, bis zum Herbst den ganz großen Kompromiss und damit die Befriedung des Konfliktes erreichen. 2001 hat das dazu geführt, dass der grüne Politiker Jürgen Trittin die Bewegung aufgefordert hat, nicht gegen den damaligen Castortransport zu protestieren. Einige sind dem gefolgt. Hoffen wir, dass diejenigen, die ihnen beim letzten Mal noch geglaubt haben, sich nicht wieder verarschen lassen. Verlassen können und wollen wir uns darauf nicht. Für uns gilt weiterhin, Atomausstieg bleibt Handarbeit, es gibt keinen Kompromiss mit dem Atomstaat.

Nach den Transporten aus La Hague werden weitere aus Sellafield nach Gorleben folgen. Atommülltransporte nach Ahaus und Lubmin werden stattfinden und immer wieder fahren Urantransporte durchs Land – letztere weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Der Wahnsinn im Namen des Kapitalismus wird also weitergehen. Stellen wir uns dem entgegen, machen wir dem Atomstaat den Garaus – im November gemeinsam mit den Menschen im Wendland und auf der gesamten Strecke. Machen wir den nächsten Castortransport auch politisch so teuer wie möglich, indem wir selbstorganisatiert, international und gemeinsam agieren und viele andere durch unser Handeln ermutigen, aktiv Widerstand zu leisten. Unberechenbar und unversöhnlich.

Aufruf zum Castor 2011 - weiträumig - unkontrollierbar - renitentAufruf zum Castor 2011 - weiträumig - unkontrollierbar - renitent

Aufruf als PDF herunterladen: Atomstaat stilllegen: Castor 2011

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